• BONPAGO
  • Publikationen
  • Digitalisierung von Baurechnungen  – Die Königsetappe auf dem Weg zur E-Rechnung

digi mondo 09/2019

zurück zur Übersichtsseite

Digitalisierung von Baurechnungen  – Die Königsetappe auf dem Weg zur E-Rechnung

Die Abrechnung von Bauleistungen ist aufgrund der komplexen Rahmenbedingungen wie gemacht für das Medium Papier. Der Weg zur Digitalisierung gestaltet sich mehr als beschwerlich und das hoch gesteckte Ziel, die Papierberge von den Schreibtischen der Rechnungsprüfer zu verbannen, scheint immer noch in unerreichbarer Ferne. Warum das so ist und wie mögliche Lösungen aussehen könnten, beleuchten wir in diesem Beitrag.

Der klassische Prozess der Prüfung einer Rechnung mit Bestellbezug ist in der Regel recht simpel: ein Abgleich der Mengen inkl. der hierfür angesetzten Preise aus der Bestellung mit den entsprechenden Werten aus der Rechnung und ggf. dem zugehörigen Lieferschein. Die Prüfung einer Baurechnung gestaltet sich im Vergleich jedoch deutlich komplexer.

Warum gestaltet sich der Prozess der Prüfung einer Baurechnung so komplex?

Diese Komplexität rührt im Wesentlichen aus drei Gründen, die im Folgenden genauer beleuchtet werden sollen.

1) Umfangreiche rechnungsbegründende Unterlagen

In der Baubranche werden in der Regel sogenannte Einheitspreisverträge geschlossen, in welchen der Preis pro Leistungseinheit als Vergütungsgrundlage dient. Die Berechnung der Vergütung basiert auf der durch das Aufmaß bestimmten Ist-Menge, d. h. der erbrachten Leistung, multipliziert mit dem Preis pro Leistungseinheit. Doch genau hierin liegt die Problematik: Bei der Rechnungsprüfung gilt es nicht nur das eigentliche Rechnungsdokument, sondern vornehmlich auch das diesem zugrundeliegende Aufmaß auf dessen Richtigkeit zu prüfen. Bedingt wird dies durch den Abrechnungsmodus: Baumaßnahmen werden nicht durch eine einzige Schlussrechnung, sondern durch mehrere Abschlagsrechnungen abgerechnet. Folglich entspricht die abgerechnete Leistung als „Teillieferung“ in der Regel nicht dem ursprünglich im Rahmen des Leistungsverzeichnisses beauftragen Umfang.

Die für die Rechnungsprüfung benötigten begründenden Unterlagen, von den initialen Planungsunterlagen über Aufmaße, Leistungsverzeichnisse und weitere Dokumente, füllen für größere Bauvorhaben zumeist mehrere Aktenordner. Die Prüfung einer Baurechnung erfordert deshalb, neben umfangreichem bauspezifischem Fachwissen, einen ebenso ausladenden Schreibtisch zur Sichtung der rechnungsbegründenden Unterlagen.

2) Einbindung vieler externer Beteiligter

Öffentliche und privatwirtschaftliche Auftraggeber sehen sich bei der Prüfung von Baurechnungen zudem mit der zentralen Fragestellung konfrontiert: Wie können eine Vielzahl unterschiedlicher externer Beteiligter effizient in den Prüfungsprozess einbezogen werden? So sind an der Prüfung einer Baurechnung neben dem Auftraggeber häufig externe Planer, Ingenieure und Architekten sowie – im Falle eines öffentlichen Auftraggebers – weitere öffentliche Instanzen beteiligt. Im aktuell zumeist papierbasierten Prozess wird die Rechnung inklusive der entsprechenden rechnungsbegründenden Unterlagen postalisch an den externen Prüfer versendet, von diesem geprüft und erneut über den Postweg an den Auftraggeber zurückgesendet. Sollten mehrere Prüfer in den Prozess involviert sein, läuft dieser folglich sequenziell ab.

Hierbei entsteht nicht nur der organisatorische Aufwand des Versands der zu prüfenden Rechnungsunterlagen, sondern im Nachgang auch potenziell weiterer Abstimmungsaufwand bei abweichenden Prüfergebnissen. So kann es durchaus der Fall sein, dass der interne Prüfer des Rechnungsempfängers zu anderen Schlüssen als der externe Prüfer gelangt, wodurch ggf. eine Rückgabe der Rechnungsunterlagen an den externen Prüfer zu einer erneuten Überprüfung notwendig wird. Bis zur Bestätigung der sachlichen und rechnerischen Richtigkeit sowie der Freigabe des unbestrittenen Rechnungsbetrages können somit Wochen verstreichen.

3) Rechnungskorrekturen durch den Auftraggeber

In der Baubranche sind sie alltäglich: Rechnungs­korrekturen bzw. -kürzungen aufgrund von fehlerhaften Berechnungen oder Uneinigkeit bezüglich der durch den Auftragnehmer geleisteten und folglich abgerechneten Leistungen. Mit dem sprichwörtlichen Rotstift werden die einzelnen Rechnungsposten korrigiert, freigegeben und letztendlich die neu berechnete Gesamtsumme auf der Rechnung vermerkt. Damit bewegt man sich in einer rechtlichen Grauzone, denn eigentlich müsste die Rechnungskorrektur durch den Rechnungssteller erfolgen. In der Baubranche hat sich das umfangreiche gegenseitige Korrigieren allerdings etabliert (wir gehen an dieser Stelle nicht explizit auf die komplexen (steuer-)rechtlichen und buchhalterischen Implikationen für Auftragnehmer und Auftraggeber ein, die mit dieser Praxis einhergehen).

Bei den meisten anderen Geschäftsprozessen könnte nun an dieser Stelle betont werden, wie eine Digitalisierung – bei gleichzeitiger Optimierung – der Prozesse viele dieser Herausforderungen lösen und die Prozessqualität bzw. -effizienz erhöhen würde. Ein überschaubarer Umstellungsaufwand, die Wahl der richtigen Technologie und ein auf Akzeptanz ausgerichtetes Change Management und schon werden die Vorteile des klassischen Optimierungsdreiklangs „Digitalisierung – Automatisierung – Vernetzung“ erlebbar. Bei Baurechnungen ist dem leider nicht so – und dennoch wird auch die Baubranche nicht an der Digitalisierung der Prozesse vorbeikommen.

 

Digitalisierung: Lösung oder Problem?

Wir wollen im Folgenden verschiedene Facetten einer Digitalisierung des Bauabrechnungsprozesses beleuchten. Dabei gehen wir jeweils zunächst auf die Optimierungspotenziale durch Digitalisierung ein – befassen uns dann aber immer auch mit einem „Aber“, das die Umsetzung eben nicht trivial macht.

1) Digitalisierung des Abrechnungsprozesses erfordert interorganisationale Überzeugungsarbeit

Die Digitalisierung des Rechnungsdokuments selbst stellt verhältnismäßig die geringste Herausforderung dar: So besteht zum einen bereits seit Langem die Möglichkeit zur Nutzung des PDF-Formats, welches auf Seiten des Auftraggebers durch eine OCR-Lösung mit anschließender manueller Validierung der Datensätze ausgelesen werden kann. Zum anderen liegt ein Großteil der rechnungsbegründenden Unterlagen wie bspw. Baupläne bereits als digitale Dateien vor und verursacht folglich keine zusätzlichen Aufwände bei der Digitalisierung. Einen Sonderfall der rechnungsbegründenden Unterlagen stellen jedoch Aufmaße dar, deren Format stark von den technischen und organisatorischen Gegebenheiten auf Seiten des erstellenden Auftragnehmers abhängt.

Für die Bearbeitung des digitalen Rechnungsdokuments sowie der Anlagen bedarf es selbstredend eines digitalen Workflows, welcher bspw. durch ein Dokumentenmanagementsystem (DMS) oder eine reine Workflowlösung realisiert werden kann. Theoretisch kann ein digitaler Workflow die zentrale Herausforderung der Einbindung der externen Beteiligten lösen. So können externe Prüfer orts- und zeitunabhängig in den Prozess der Rechnungsprüfung integriert werden, insofern diesen der Systemzugang sowie die für den entsprechenden Vorgang benötigten Rechte eingeräumt wurden. Der zeitintensive und kostenverursachende Versand per Post entfällt gänzlich, wodurch der langwierige sequenzielle Prozess automatisch beschleunigt wird.

ABER: Ein Prozess, bei dem die Interaktionen der zwei Akteure (Auftraggeber & Auftragnehmer) so eng miteinander verbunden sind, bedarf eines kooperativen Ansatzes bei der Digitalisierung: Eine einseitige Umsetzung auf Seiten des Auftraggebers ohne Mitwirken des Auftragnehmers hat nur begrenzte Aussichten auf Erfolg.

Die Lieferantenstruktur des Auftraggebers spielt folglich eine entscheidende Rolle, insbesondere bei der Fragestellung, ob dieser einen Großteil seiner Auftragnehmer von der Nutzung digitaler Rechnungsformate sowie digitaler Aufmaße überzeugen kann. Auftraggeber hingegen, welche bedingt durch ihre Größe und ihrem Auftragsvolumen über eine gewisse Marktmacht verfügen, können ihre Auftragnehmer prinzipiell eher zum Datenaustausch über den etablierten GAEB-Standard überzeugen oder gar verpflichten. In der Privatwirtschaft hat sich zudem der Einsatz von Portalen zur Leistungserfassung im Baubereich als vorteilhaft erwiesen.

Bei mittelständischen und in weiten Teilen bei öffentlichen Auftraggebern zeichnet sich bei der Vergabe von Bauleistungen aufgrund der sehr guten Auftragslage am Markt hingegen ein anderes Bild. So entscheiden sich Auftragnehmer zumeist eher für die Annahme von Aufträgen, im Rahmen derer keine zu engen Vorgaben bezüglich der Abrechnungsmodalitäten gemacht werden, insofern der Auftragswert diesen Mehraufwand nicht ausgleicht. Folglich scheuen sich viele mittelständische und öffentliche Auftraggeber davor, ihren Auftragnehmern bei der Auftragsvergabe weitere „Hürden“ wie bspw. die elektronische Rechnungsstellung vorzugeben. Darüber hinaus ist anzumerken, dass die Lieferantenstruktur sich zumeist aus Kleinst- oder Kleinunternehmen zusammensetzt, welche keine AVA-Software zur Abrechnung ihrer Leistungen nutzen. Anstelle des bei größeren Bau­unternehmen etablierten GAEB-Standards finden sich somit auch immer wieder handschriftlich auf Papier erfasste Aufmaße, welche einer elektronischen Rechnungsprüfung entgegenstehen.

2) Hilft der Gesetzgeber? Der Standard XRechnung ist (noch) nicht reif für Baurechnungen

Öffentliche Auftraggeber auf Bundesebene sind bereits heute zu Empfang und Weiterverarbeitung von elektronischen Rechnungen im Format XRechnung verpflichtet; auf Landes- und kommunaler Ebene tritt diese Verpflichtung ab April 2020 in Kraft. Zeitgleich hierzu wird die Rechnungsstellung im Format XRechnung oder einem anderen zur EU-Norm EN16931 konformen Format für Lieferanten des Bundes obligatorisch. Sämtliche Rechnungstypen – folglich auch die Baurechnung – sind von dieser Regelung betroffen, wodurch das Rechnungsformat XRechnung damit einen einheitlichen und verbindlichen Standard zur elektronischen Rechnungsstellung im öffentlichen Sektor schafft. Da bei strukturierten Rechnungsformaten wie der XRechnung sämtliche Rechnungsdaten als reiner Datensatz vorliegen und somit optimal für die weitere digitale Bearbeitung genutzt werden können, sind sie gegenüber unstrukturierten Formaten (wie bspw. PDF) zu bevorzugen.

ABER: Die XRechnung stößt jedoch zum aktuellen Zeitpunkt bei der Abbildung von speziellen Rechnungstypen wie bspw. Energie- oder Baurechnungen an ihre Grenzen. Insbesondere die Übermittlung der zumeist umfassenden rechnungsbegründenden Unterlagen wie Aufmaßen, Bauplänen oder GAEB-Dateien stellt eine große Herausforderung dar. Dies wird zum einen – insofern die Zentrale Rechnungseingangsplattform des Bundes (ZRE) für die Rechnungsübermittlung zu nutzen ist – durch die Beschränkung der Anlagen auf max. 200 einzelne Dokumente mit einer Gesamtgröße von 15MB bedingt. Zum anderen sind zurzeit keine Anhänge im XML-Format (GAEB DA XML 3.2) oder CAD-Formate zulässig. Darüber hinaus bringt der bisher übliche Prüfprozess einer Baurechnung eine bedeutende und bisher noch ungeklärte Fragestellung in Bezug auf den Standard XRechnung zutage: Wie wird eine elektronische Rechnung nach dem Standard XRechnung korrigiert bzw. gekürzt? Die „traditionelle“ Rechnungsprüfung findet durch handschriftliche Streichungen bzw. Kürzungen auf der papierbasierten Originalrechnung statt. Inwiefern dieser Prozess bei der digitalen Prüfung einer Rechnung nach dem Standard XRechnung abgebildet bzw. angepasst werden muss, bleibt abzuwarten.

Außerdem werden aktuell folgende Fragen diskutiert: Ist es sinnvoll, rein aus Gründen der Compliance die Baurechnung im Rechnungsformat XRechnung abzubilden, wenn dieses originär hierfür nicht ausgelegt ist? Ist es sinnvoll, deshalb einen etablierten Standard wie GAEB DA XML 3.2 in das Rechnungsformat XRechnung zu integrieren? Zudem zeigt sich zum aktuellen Zeitpunkt, dass Medienbrüche weiterhin eine Rolle spielen werden: So löst das Rechnungsformat an sich noch nicht die Problematik des Einbezugs der externen Beteiligten, wodurch deren Prozessschritte weiterhin papierbasiert durchgeführt werden müssten.

3) Digitalisierung schafft die Voraussetzungen für eine vorgezogene Aufmaß-Prüfung

Die Notwendigkeit von Rechnungskorrekturen ergibt sich zumeist aus der Uneinigkeit von Auftraggeber und Auftragnehmer über das der Rechnung zugrundeliegende Aufmaß. Das Vorziehen der Abstimmung oder die Prüfung des Aufmaßes vor der eigentlichen Rechnungsstellung schafft hier Abhilfe. Hier bieten sich zwei grundsätzliche Möglichkeiten:

Erstens können Auftragnehmer und Auftraggeber sich auf den Modus eines gemeinsamen Aufmaßes einigen. Die im Rahmen dessen festgestellten Leistungen sind im weiteren Verlauf vorerst für beide Vertragsparteien maßgeblich und bindend. Die auf Basis des gemeinsamen Aufmaßes erstellte Gutschrift (siehe dazu Punkt 4) sollte folglich keinen Widerspruch durch den Auftragnehmer nach sich ziehen (im Rahmen der Schlussrechnung kann jedoch von den Werten des gemeinsamen Aufmaßes abgewichen werden). Das gemeinsame Aufmaß kann auf der einen Seite traditionell papierbasiert aufgenommen werden, was im Hinblick auf einen ganzheitlich digitalen Prüfprozess nicht zielführend ist. Auf der anderen Seite haben erste Kommunen einen weiteren Weg für sich erschlossen: Die internen Rechnungsprüfer werden mit Tablets und der entsprechenden Software ausgestattet, um direkt vor Ort auf der Baustelle die Aufmaße digital zu erfassen.

Zweitens bietet sich die Nutzung von webbasierten Lösungen zur Abstimmung von Aufmaßen an. So besteht heutzutage bereits die Möglichkeit für den Auftraggeber, Aufmaße digital durch den Auftragnehmer erfassen zu lassen und diese webbasiert zu prüfen. Aufmaße können folglich korrigiert, kommentiert und ggf. erneut durch den Auftragnehmer bearbeitet werden. So ist es Auftraggeber und Auftragnehmer möglich, sich ort- und zeitunabhängig auf ein gemeinsames Aufmaß zu einigen, anhand dessen im Nachgang eine Gutschrift erstellt werden kann.

ABER: Die Erhebung von Aufmaßen ist vielerorts ein traditionell papierbasierter Prozess, dessen Digitalisierung mit entsprechenden Aufwänden verbunden ist. Die Lösungsvariante, Rechnungsprüfer mit geeigneten Endgeräten zur mobilen digitalen Erfassung von Aufmaßen direkt auf der Baustelle auszustatten, beansprucht sowohl monetäre als auch personelle Ressourcen. So müssen nicht nur Hard- und Software beschafft, sondern auch das entsprechende Personal geschult und für jedes Aufmaß auf die Baustelle entsandt werden.

Im Hinblick auf die Umsetzung der vorgezogenen Prüfung des Aufmaßes über eine webbasierte Lösung geben Stimmen aus der Baubranche zu bedenken, dass Akzeptanzprobleme auf Seiten des Auftragnehmers wahrscheinlich sind. So sind vielerorts papierbasierte, teils sogar handschriftliche Aufmaße die Regel und Tablets auf einer Baustelle nur schwierig einzuführen („Solche Geräte müssen Sie hier fest an eine Wand bohren, damit die nicht wegkommen…“), weshalb eine nachträgliche Erfassung des Aufmaßes in der webbasierten Software notwendig wäre.

4) Digitalisierung begünstigt das Gutschrift­verfahren

Das Gutschriftverfahren könnte unter gewissen Voraussetzungen sowohl den Korrekturprozess der Rechnung auf Seiten des Rechnungsempfängers als auch die buchhalterischen Korrekturen im Nachgang auf Seiten des Rechnungsstellers ablösen. Nach §14 VOB/B liegt die Pflicht zur Erstellung der Abrechnung beim Auftragnehmer, welcher seine Leistungen prüfbar und übersichtlich in einer Rechnung aufzustellen sowie Art und Umfang der erbrachten Leistung anhand entsprechender Unterlagen nachzuweisen hat. Die Vertragspartner können sich jedoch auch durch eine Individualabsprache darauf einigen, dass die Pflicht zur Rechnungslegung auf den Auftraggeber übergeht. Der Auftraggeber stellt dem Auftragnehmer folglich eine Gutschrift über die von diesem erbrachte Leistung aus.

Inwiefern begünstigt die Digitalisierung nun das Gutschriftverfahren bei der Abrechnung von Bauleistungen? Die Chancen ergeben sich vornehmlich in Verbindung mit der oben angesprochenen vorgezogenen Prüfung des Aufmaßes. Durch die vorherige Abstimmung des Aufmaßes und folglich der Rechnungsgrundlage, kann im Rahmen des Gutschriftverfahrens auf Seiten des Auftraggebers die Erstellung einer korrekten Gutschrift gewährleistet und somit die Korrektur bzw. Kürzung einer Rechnung umgangen werden. Zum anderen entfallen für den Auftragnehmer und früheren Rechnungssteller die buchhalterischen Korrekturen, welche durch die Differenz zwischen der ursprünglich gestellten Ausgangsrechnung und der durch den Auftraggeber korrigierten Rechnung bedingt sind. Durch das Gutschriftverfahren entfällt auf Seiten des Auftragnehmers die Buchung der Ausgangsrechnung, wodurch bis zum Zeitpunkt des Eingangs der Gutschrift keine korrekturbedürftigen Forderungen verbucht sind.

ABER: Isoliert betrachtet, weist das Gutschriftverfahren jedoch einige Tücken auf, welche es zu bedenken gilt. Insbesondere der Aspekt, dass eine Gutschrift nur dann wirksam ist, wenn durch den Auftragnehmer kein Widerspruch vorliegt, macht eines deutlich: Der Nutzen des Gutschriftverfahrens im Rahmen der Abrechnung von Bauleistungen ist begrenzt, insofern im Voraus kein gemeinsames Aufmaß erhoben bzw. eine Abstimmung dessen stattgefunden hat. Sollte dies nicht der Fall sein, kann der Auftragnehmer Widerspruch gegen die aus seiner Sicht fehlerhafte Gutschrift einlegen und somit einen Korrekturprozess anstoßen. Der Mehrwert gegenüber einer traditionellen Rechnungskorrektur bliebe aus.

Darüber hinaus spielt die Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) eine entscheidende Rolle bei der Fragestellung, ob das Gutschriftverfahren vorteilhaft oder überhaupt umsetzbar ist. Bei der Vergabe von Bauleistungen durch öffentliche Auftraggeber ist die Vereinbarung des Teil B der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB/B) „Allgemeine Vertragsbedingungen für die Ausführung von Bauleistungen“ Pflicht. Diese nehmen aus rechtlicher Sicht den Status von Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) nach §§ 305 ff BGB ein. Bei AGB handelt es sich um einseitig vorformulierte Klauseln, welche Bestandteil des Vertrages werden. Um der nach den Geboten von Treu und Glauben unangemessenen Benachteiligung des Vertragspartners, welchem die AGB vorgegeben werden, entgegen zu wirken, werden die AGB einer Inhaltskontrolle unterzogen. Im Rahmen dieser werden die einzelnen Klauseln auf ihre Wirksamkeit überprüft und ggf. als unwirksam erklärt. Werden die VOB/B als unverändertes Ganzes in einen Vertrag übernommen, halten diese nach aktueller Rechtsprechung einer Inhaltskontrolle stand. Sollte jedoch die VOB/B nicht unverändert in den Vertrag aufgenommen werden, gilt es eine erneute Inhaltskontrolle für die gesamte VOB/B durchzuführen. In der Rechtsprechung wurden im Rahmen einer solchen Prüfung bereits diverse Klauseln als unwirksam erklärt, wenn diese nicht mehr im Zusammenhang der unveränderten, vollständigen VOB/B standen. Folglich wird eine Änderung des Modus der Rechnungsstellung, welcher zentraler Bestandteil der VOB/B darstellt, den vor dem Gesetz privilegierten Status der VOB/B aufheben und die Möglichkeit einer erneuten Inhaltskontrolle eröffnen.

5) Digitalisierung als Basis der Automatisierung – mit BIM zur elektronischen Abrechnung?

Digitalisierung und Automatisierung stehen im Einklang miteinander: Die Digitalisierung eines Prozesses bildet die Basis für die Hebung von Potenzialen: Komplexe Prozesse können in der Regel durch die Automatisierung von einzelnen Prozessschritten optimiert und folglich vereinfacht werden. Inwiefern der Prüfprozess einer Baurechnung sich hierfür eignet, gilt es einzelfallbasiert zu untersuchen. Ein Blick in die nahe Zukunft offenbart allerdings eine große Chance: Building Information Modeling, kurz BIM. Die neue Arbeitsmethode, welche bereits in der Praxis – wenn auch nur begrenzt – Anwendung findet, eröffnet vollkommen neue Chancen im Hinblick auf die Automatisierung von Prozessen. Diese liegen zwar nicht zwangsweise direkt in der Rechnungsprüfung selbst, können jedoch durch die Optimierung und Automatisierung der vorgelagerten Prozesse positive Auswirkungen auf diesen haben.

ABER: Um noch einmal den Vergleich zu einer Rechnung für eine Lieferung aufzugreifen: Bei dieser liegen in der Regel eine eindeutige Bestellung, der Lieferschein sowie das Rechnungsdokument vor. Abgesehen von dem Sonderfall einer Teil- oder Fehllieferung entsprechen die Positionen, Mengen und Preise sich auf allen drei Dokumenten. Moderne Systeme sind von daher in der Lage, einen automatisierten Abgleich der Daten vorzunehmen und somit zu prüfen, ob die Rechnung der Bestellung entspricht. Sollte dies der Fall sein, kann im besten Fall eine sogenannte Dunkelbuchung vorgenommen werden: Bei dieser verbucht das System automatisch die Rechnung, ohne dass der Eingriff eines Sachbearbeiters notwendig ist. In der Baubranche könnte sich eine Automatisierung jedoch als herausfordernd darstellen: Abschlagsrechnungen, welche vergleichbar einer Teillieferung sind, sind eher die Regel als die Ausnahme. Es wird stets ein Zwischenstand der ursprünglichen Bestellung abgerechnet, wodurch die Werte im Regelfall nicht übereinstimmen werden.

Die digitale Baurechnung mit Bonpago

Eines wird deutlich: Nicht nur der Prozess der Prüfung einer Baurechnung an sich ist komplex, sondern vor allem auch dessen Digitalisierung. Eine zumeist heterogene Lieferantenstruktur, der geringe Digitalisierungsgrad auf der Baustelle sowie gesetzliche Rahmenbedingungen beeinflussen in großem Maße Unternehmen bei der Umstellung auf einen digitalen Prozess. Zum heutigen Zeitpunkt ist keine „one size fits all“ Lösung vorhanden, welche die elektronische Baurechnung mit minimalem Aufwand umsetzbar gestaltet. Vielmehr bedarf es einer einzelfallspezifischen Betrachtung der Organisation, deren IT-Infrastruktur und deren Lieferantenstruktur.

Und hier kommt Bonpago ins Spiel: Unsere Experten analysieren mit Ihnen gemeinsam die Gegebenheiten und Rahmenbedingungen, mit denen Sie sich konfrontiert sehen. Wir eröffnen verschiedene Lösungsszenarien, evaluieren diese im Hinblick auf ihre Machbarkeit und begleiten Sie auf dem Weg zur Umsetzung des Szenarios, welches für Sie die Baustelle „elektronische Baurechnung“ effektiv und effizient löst. Wir tauschen uns gerne mit Ihnen über unsere Erfahrungen aus aktuellen Projekten aus!